Der Neurochirurg

Herzlichen Dank für das große Interesse, die vielen Fragen und Anregungen im Zuge der viel besuchten Ausstellung “Der Neurochirurg”.

Fotoausstellung

Fotoausstellung „Der Neurochirurg“
Fünf Dokumentaraufnahmen von Heiko Grandel

Es gibt Dinge, die können zugleich Alltag und ein Wunder sein. Denn einerseits ist es längst selbstverständlich, dass Thomas Kapapa mit seinem Auto beim Bezirkskrankenhaus im bayerisch-schwäbischen Günzburg und am Universitätsklinikum Ulm vorfährt, sich in der Klinik für Neurochirurgie den weißen Kittel anzieht, Patienten berät und dann, bis zu fünf Mal am Tag, wiederum umgezogen, im Operationssaal, an der Spitze eines eingespielten Teams, mit mikroskopischen Eingriffen am Gehirn, am Kopf, an Nervenbahnen um das Überleben eines Menschen ringt – er ist schließlich Oberarzt, seit Jahren festes Mitglied der Spezialklinik und längst ein versierter Operateur am Mikroskop. Andererseits aber kam dieser Thomas Kapapa als eines von fünf Kindern der Familie zur Welt, von Geburt an querschnittsgelähmt. Einerseits also zeigen die Bilder des Fotografen Heiko Grandel nichts anderes als den Alltag eines Menschen, der trotz eines Handicaps als Teil eines Spitzenteams funktioniert: Thomas Kapapa wie er im Kreis seiner Kollegen routiniert die Vorbereitungen zur Operation absolviert und dann mit ihnen gemeinsam, hochkonzentriert, einer lebensrettenden Arbeit nachgeht – dank eines Spezialrollstuhls. Andererseits aber lebt in jedem dieser Momente ein Wunder fort, ermöglicht durch viele Schritte: durch den Mut seiner Eltern; durch die spätere Entschlossenheit und das Engagement des jungen Mannes selbst, sich seine Träume zu erfüllen, Medizin zu studieren, Arzt zu werden, als Chirurg zu arbeiten, sich dann mit vollem Einsatz zu spezialisieren, um Menschen nach Bandscheibenvorfällen, mit Tumoren oder Blutungen im Kopf helfen zu können; und schließlich durch ein Regelwerk, das ihn nicht ausschloss, durch Professoren, die an ihn glaubten, durch Kollegen, die ihn akzeptierten, und durch Förderungen, die Thomas Kapapa auch jenen extra angefertigten Rollstuhl verschafften. Er weiß, wie es ist Patient zu sein. Ihm wurde und er hat sich geholfen – jetzt, längst ein selbstständiges Leben führend, kann er anderen helfen.